Gedichte
Gedichte - Lyrik - Gedicht
Sie erhalten hier schöne Gedichte für jede Gelegenheit
Des Sommers Wochen standen still, es stieg der Bäume Blut, jetzt fühlst du,
dass es fallen will, in den, der alles tut. (Rainer Maria Rilke)
Gedicht von Nietzsche
An der Brücke stand
An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll's
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik -
trunken schwamm's in die Dämmerung hinaus ...
Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
- Hörte Jemand ihr zu? ...
(Friedrich Nietzsche 1844-1900, deutscher Dichter und Philosoph)
Ein schönes Gedicht von Goethe
Worte sind der Seele Bild
Worte sind der Seele Bild -
Nicht ein Bild! Sie sind ein Schatten!
Sagen herbe, deuten mild,
Was wir haben, was wir hatten. -
Was wir hatten, wo ist's hin?
Und was ists denn, was wir haben? -
Nun, wir sprechen! Rasch im Fliehn
Haschen wir des Lebens Gaben.
(Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832, deutscher Dichter)
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Ein sehr schönes Gedicht von Rilke
Herbsttag
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süsse in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
(Rainer Maria Rilke 1875-1926 - Lyriker)
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Gedicht
Ein Morgen
Ein erster Blick durchs Fenster am Morgen
Müde noch sind die Gesichter
Weit weg die Sorgen
Kinder hüpfen und kichern
Von irgendwoher klappert Geschirr
Lebendigkeit dringt in meine Seele
Ich nehme die Zeitung, den Kaffee
Bequeme Schuhe
Schreiben, arbeiten, verstehen
Freundlich sein und wieder gehen.
Was will man mehr?
(© Monika Minder)
Bitte Zitierrechte beachten!
Zwei Gedichte von Grillparzer
Naturszene
Das Wasser rinnt vom Felsgestein
Und furcht die moosge Bank,
Die Gräser, hellgrün, schmal und klein,
Sie stehn umher und saugens ein,
Gesättigt ohne Dank.
Und an die Blumen unterm Grün,
Wie Bürgerstöchter stolz,
In blau und rot und goldner Tracht,
Hat sich der Schmetterling gemacht;
Der saugt und küsst und schaukelt sich,
Und fliegt zuletzt davon,
So achtlos, dass am nächsten Tag
Er kaum noch mehr erkennen mag,
Wo er genossen schon.
Und drüber rauscht der Baum, als ob
Nichts unter ihm geschäh,
Nach rückwärts strebt der Fels empor,
Schaut gradaus in die Höh.
Die Wolken aber allzuhöchst
Ziehn hin mit Sturmsgewalt,
Sie weilen nicht, sie säumen nicht,
Rasch wechselnd die Gestalt.
Und durch das All voll Eigensucht
Geh ich mit finstrer Brust,
Vor dem genossner Treu und Lieb
Halb wie im Traum bewusst.
(Franz Grillparzer 1791-1872, österreichischer Schriftsteller)
Gedicht
Die Spätrose
Blühst du jetzt erst holde Rose,
deine Zeit, Kind, ist dahin,
Hörst du nicht des Sturms Getose,
siehst du nicht die Vögel ziehn,
Siehst du nicht die kahlen Gänge,
von dem Winter abgestreift,
sterbend schläft der Schwestern Menge,
und nichts blühet mehr und reift.
Und du treibst noch frische Blüten,
trotzest der allmächtgen Zeit,
Kämpfest mit des Winters Wüten,
ach, zu ungleich ist der Streit.
Rastlos geht der Drang der Zeiten,
wer entgegensteht, wird Staub,
über seine Asche schreiten
fühllos sie zu neuem Raub.
Als noch aus azurnen Lüften
Phöbus seine Strahlen schoss,
als, umweht von süssen Düften,
sich der Lilie Kelch entschloss.
(Franz Grillparzer 1791-1872, österreichischer Schriftsteller)
Kurzes Gedicht
Juli
Klingt im Wind ein Wiegenlied,
Sonne warm herniedersieht,
Seine Ähren senkt das Korn,
Rote Beere schwillt am Dorn,
Schwer von Segen ist die Flur -
Junge Frau, was sinnst du nur?
(Theodor Storm 1817-1888, deutscher Schriftsteller, Lyriker)
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Schönes Gedicht
Die Blätter fallen
Die Blätter fallen wie Trauergäste,
Einsam stehen die starren Äste.
Von keinem Wind begleitet,
Still nur wie sie gleiten.
Die Erde ist schon vorbereitet.
Nichts ist tot,
Alles lebt weiter -
Wächst in einem fort.
(© Monika Minder)
> mehr Herbstgedichte
Gedicht
Erster Schnee
Flocken, weisser Schnee,
den ich von oben herunterfallen seh.
Leise, sanft wie Watte
verteilt er sich auf grünen Matten.
Ein weisses Kleid, das alles jetzt erfüllt,
der kleinste Ast wird liebevoll verhüllt.
(© Monika Minder)
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Gedicht
Kein Blümlein mehr
Kein Blümlein mehr, das uns erfreut,
kein Blättchen, das im Winde weint.
Keine Vögel weit und breit,
die Felder ringsum schon beschneit.
Doch bringt die karge Winterzeit
auch viele schöne Stunden.
Wir denken an die Weihnachtszeit
mit ihren grossen Wundern.
So mag es draussen noch so schneien
wir wärmen uns in Liebe.
Die grossen und die Kleinen
wünschen sich vor allem Frieden.
(© Monika Minder)
Offizielle Homepage von Monika Minder
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