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Ostern

Ostergedicht - Paul-Marie Verlaine - Ostern Gedicht

Hier erhalten Sie ein schönes Ostergedicht aus dem 19. Jh.





Die Glocken, die von Rom uns gestern kehrten, dröhnen zum Himmel
Lobgesang in feierlichen Tönnen ...



Ostergedicht von Paul-Marie Verlaine

Ostern


Die Glocken, die von Rom uns gestern kehrten, dröhnen
Zum Himmel Lobgesang in feierlichen Tönen.

Das Echo, das vom Turme mächtig flutend ruft,
Verherrlicht rings die weiten Lande und die Luft.

Der Vogel, der geweiht vom Goldklang heil'ger Grüsse,
Vergbisst sein Klagen und stimmt an der Hymnen Süsse.

Und froh sein Halleluja zwitschernd durch die Welt
Singt er auf Busch und Baum, in Wiese, Wald und Feld.

Die Lerche hat mit Festgesang sich aufgeschwungen,
Dem tau'gen Morgen hat die Nachtigall gesungen.

Mit zärtlich süssen Tönen heisser Liebesglut,
Der sonnenhell das Glück in stillem Herzen ruht,

Lebt freudenvoll der Lenz, der gestern neu erstanden,
So selig seufzt Natur, und in den weiten Landen

Von dunklen Türmen manchen altersgrauen Baus
Vom Campanile nieder und vom Königshaus.

Aus allen Städten, da von Festgeläut und Singen
Paris und Moskau, London und Sevilla klingen,

Tönt hell der Jubelruf der Glocken, der uns weiht
Zum gnadenreichen Fest der heil'gen Osterzeit.

Die Taube streift die Flur, das Lamm blökt im Gehege,
Wem bist, Maria, du, begegnet auf dem Wege?

Gold ist der Fluss, der neu der Sonne Glanz empfing.
Es ist der Herr, der einst in Galiläa ging.

- Was wäscht das öde Herz sich nicht im gold'nen Strome,
Was heiligt nicht den Geist der goldne Klang vom Dome?

Was fleht nicht wie ein Lamm der Seele bang Gebet,
Der weissen Taube gleich, da alles neu entsteht?

Was zieht der Mensch, der einst in götllichem Vertrauen,
Nicht heute noch den Pfad nach Galiläas Auen?

(Paul-Marie Verlaine 1844-1896, französicher Dichter)


Paul Verlaine wurde am 30. März 1844 in Metz geboren. Er war
ein bedeutender französischer Lyriker des Symbolismus.

Paul-Marie Verlaine - Leben und Werke - Wikipedia



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