Poesie
Poesie - kurze Poetische Gedichte
Hier erhalten Sie eine Auswahl schöner poetischer Gedichte
Das Poetische hat immer recht, es wächst weit über
das Historische hinaus. (Fontane)
Poesie
Reiselied
Wasser stürzt, uns zu verschlingen,
Rollt der Fels, uns zu erschlagen,
Kommen schon auf starken Schwingen
Vögel her, uns fortzutragen.
Aber unten liegt ein Land,
Früchte spiegelnd ohne Ende
In den alterslosen Seen.
Marmorstirn und Brunnenrand
Steigt aus blumigem Gelände,
Und die leichten Winde wehn.
(Hugo von Hofmannsthal 1874-1929, österreichischer Dramatiker
und Schriftsteller;
Gedichte)
Poesie - Naturlyrik
Morgenandacht
Sehnsucht hat mich früh geweckt;
wo die alten Eichen rauschen,
hier am Waldrand hingestreckt,
will ich dich, Natur, belauschen.
Jeder Halm steht wie erwacht;
grüner scheint das Feld zu leben,
wenn im kühlen Tau der Nacht
warm die ersten Strahlen beben.
Wie die Fülle mich beengt!
so viel Grosses! so viel Kleines!
wie es sich zusammendrängt
in ein übermachtig Eines!
Wie der Wind im Hafen surrt,
tief im Gras die Grillen klingen,
hoch im Holz die Taube gurrt,
wie die Blätter schauernd schwingen,
wie die Bienen taumelnd sammeln
und die Käfer lautlos schlüpfen -
O Natur! was soll mein Stammeln,
seh ich alldas dich verknüpfen:
wie es mir ins Innre dringt,
all das Grosse, all das Kleine;
wie's mit mir zusammenklingt
in das übermächtig Eine!
(Richard Dehmel 1863-1929, deutscher Dichter und Schriftsteller)
Poesie Gedicht
Der Nachtwind
Der Nachtwind hat in den Bäumen
Sein Rauschen eingestellt,
Die Vögel sitzen und träumen
Am Aste traut gesellt.
die ferne schächtige Quelle,
Weil alles andre ruht,
Lässt hörbar nun Welle auf Welle
Hinflüstern ihre Flut.
Und wenn die Nähe verklungen,
Dann kommen an die Reih
Die leisen Erinnerungen,
Und weinen fern vorbei.
(Nikolaus Lenau 1802-1850, österreichischer Schriftsteller)
Poetisches Gedicht
Einerlei
Ihr Mund ist stets derselbe,
Sein Kuss mir immer neu,
Ihr Auge noch dasselbe,
Sein freier Blick mir treu;
Oh du liebes Einerlei,
Wie wird aus dir so mancherlei!
(Achim von Arnim 1781-1831, deutscher Schriftsteller)
Poesie Gedicht
Mir ist zu licht zum Schlafen
Mir ist zu licht zum Schlafen
Der Tag bricht in die Nacht,
Die Seele ruht im Hafen,
Ich bin so froh erwacht.
Ich hauchte meine Seele
Im ersten Kusse aus,
Was ist's dass ich mich quäle
Ob sie auch fand ein Haus.
Sie hat es wohl gefunden
Auf ihren Lippen schön,
O welche sel'ge Stunden,
Wie ist mir so geschehn!
Was soll ich nun noch sehen?
Ach, alles ist in ihr,
Was fühlen, was erfliehen?
Es ward ja alles mir.
Ich habe was zu sinnen,
Ich hab', was mich beglückt:
In allen meinen Sinnen
Bin ich von ihr entzückt.
(Achim von Arnim 1781-1831, deutscher Schriftsteller)
Poesie Gedicht
Leise Lieder
Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;
denen niemand als das eigne Herz,
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.
Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele ewige Sehnsucht trank.
(Christian Morgenstern 1871-1914, deutscher Dichter, Schriftsteller
und Übersetzer)
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