Prosa
Prosa - Prosatexte - kurze Prosa Gedichte
Hier erhalten Sie schöne Prosa Gedichte von Alfred Lichtenstein
Blickt auf die Weite, die Festigkeit, die Raschheit des Himmels und hört
einmal auf, Wertloses zu bewundern. (Zitat von Boethius)
Prosa Gedichte von Alfred Lichtenstein
Die Dämmerung
Ein dicker Junge spielt mit einem Teich,
Der Wind hat sich in einem Baum gefangen.
Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich,
Als wäre ihm die Schminke ausgegangen.
Auf lange Krücken schief herabgebückt
Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.
Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt.
Ein Pferdchen stolpert über eine Dame.
An einem Fenster klebt ein fetter Mann.
Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen.
Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an.
Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.
(Alfred Lichtenstein 1889-1914, deutscher Schriftsteller)
Prosa Gedicht
Strassen
Viel Himmel liegt auf allen singenden
Einsamen Strassen im Laternenscheine.
Ich schwing im Winde über graue Steine,
Die spiegeln meinen Schritt, den klingenden.
Ich spüre an der Stirne eiligen
Verhauch von gelben und von dunklen Dingen.
Ich will die Nacht mit Träumerein verbringen.
Ich fühl den Mond ... grüngoldnen Heiligen.
(Alfred Lichtenstein 1889-1914, deutscher Schriftsteller)
Prosa Gedicht
Nebel
Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört.
Blutlose Bäume lösen sich in Rauch.
Und Schatten schweben, wo man Schreie hört.
Brennende Biester schwinden hin wie Hauch.
Gefangene Fliegen sind die Gaslaternen.
Und jede flackert, dass sie noch entrinne.
Doch seitlich lauert glimmend hoch in Fernen
Der giftige Mond, die fette Nebelspinne.
Wir aber, die, verrucht, zum Tode taugen,
Zerschreiten knirschend diese wüste Pracht.
Und stechen stumm die weissen Elendsaugen
Wie Spiesse in die aufgeschwollne Nacht.
(Alfred Lichtenstein 1889-1914, deutscher Schriftsteller)
Prosa Gedicht
Gegen Morgen
Was kümmern mich die flinken Zeitungsjungen.
Mich ängstet nicht das Nahen verspäteter Autotiere.
Ich ruhe auf meinen schreitenden Beinen.
Verregnet ist mein Gesicht.
Grünliche Reste der Nacht
Kleben um meine Augen.
So hab ich mich gern -
Wie die spitzen, heimlichen
Wassertropfen auf tausend Wänden knacken.
Von tausend Dächern plumpsen.
Auf blinkenden Strassen hüpfen ...
Und alle grämlichen Häuser
Horchen auf ihren
Ewigen Gesang.
Dicht hinter mir ist die brennende Nacht verdorben ...
An meinem Rücken lagert ihr dunstiger Leichnam.
Doch über mir fühl ich den rauschenden,
kühlen Himmel.
Siehe - ich bin vor einer
Strömenden Kirche.
Gross und still empfängt sie mich.
Hier will ich etwas verweilen.
Versunken sein in ihre Träume.
Träume aus grauer
Glanzloser Seide ...
(Alfred Lichtenstein 1889-1914, deutscher Schriftsteller)
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