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Weihnacht

Schönes Weihnachtsgedicht von Luise Egloff, sowie weitere Gedichte
für die festliche Zeit, Bücher- und Geschenk-Tipps.


Weihnacht

Es zieht empor mich zu des Vaters Milde,
Ich sinke hin vor meines Schöpfers Thron.
Und mich umstrahlt im lieblichen Gebilde
Der Welterlöser, Gott und Gottes Sohn.
Er stieg herab aus Edens Lichtgefilde:
So lehrt dich, Christ, die Stimm’ der Religion;
So seh’ ich ihn vor meiner Seele schweben,
Und mich durchströmt der Hoffnung neues Leben.

Der Engel naht sich Segen zu verkünden
Den frommen Hirten, die im Morgenglanz
In einer Krippe ihren Heiland finden,
Und ihn begrüssen mit dem Liebeskranz.
Das Reich der Sünde sehen sie verschwinden,
Es weiht ein Opfer sich der Menschheit ganz:
Ein heller Stern mit freundlichem Erbarmen
Glänzt aus Marias treuen Mutterarmen.

Die reine Jungfrau nur ist die Erwählte,
Die Gott zur Mutter seines Sohns gemacht;
Sie, deren Brust der Tugend Glut beseelte,
Zieht auch von uns der Laster schwarze Nacht.
Du, der die klare Unschuld sich vermählte,
Erfreust dich jetzt in Paradieses Pracht!
O steh’ uns bei, dass wir des Vaters Willen
Mit Freundlichkeit, in allem treu, erfüllen!

Sei unsre Mutter bei der hohen Liebe,
Mit der dein Sohn der Menschheit sich geweiht!
Und wird auch oft der heitre Himmel trübe,
Sei du die Sonne, die uns sanft erfreut!
O dass dein Bild uns immer heilig bliebe!
Wenn unsre Bahn mit Wermut sich bestreut,
Lass uns, Verklärte, deine Tugend strahlen!
Sie möge sich in unsern Herzen malen!

O grosser Heiland, mild uns zu beglücken,
Verliessest du des Vaters Sternenzelt.
“Kommt, meine Kinder! ich will euch erquicken!”
So tönt dein Ruf voll Segen durch die Welt.
“Der Tugend Rose soll der Mensch sich pflücken!”
Du warst das Licht, das seinen Pfad erhellt;
Er schöpfte Kraft aus deiner Himmelsgüte,
Die ihm zur Wonne unvergänglich blühte.

Am armen Stall zu Bethlehem geboren
Entbehrst du freudig Glanz und Herrlichkeit!
Dich, den zum König Engel sich erkoren,
Führt Menschenliebe in den Strom der Zeit,
Zu dessen Abgrund sich die Welt verloren;
Sie aufzurichten warst du stets bereit.
Nicht achtest du des Lebens trübe Stunden,

Heilst du nur leibreich tief geschlag’ne Wunden!
Wer will empor zu deiner Huld sich schwingen,
Die immer neu und strahlend sich erhebt?
Kein Sterblicher kann in die Liebe dringen,
Mit der dein Geist ihn zu veredeln strebt.
Und müssen wir auch mit dem Schicksal ringen:
Welch’ schönen Trost, der dann das Herz belebt,
Gibt Jesus uns, der seinen Thron verlassen,
Mit hohem Gnadenlicht uns zu umfassen.

Stark will als Mensch die Schwachheit er besiegen,
In die uns der Versuchung Macht gelegt,
Der wie so oft im schweren Kampf erliegen,
Weil sich im Busen wenig Glauben regt.
Nur er gibt Stärke, lehrt die Kniee biegen
Vor Gott, der kein Vertrauen niederschlägt,
Vor unserm Heiland, dessen reine Lehren
Der Tugend Keim in unsrer Seele nähren.

So will ich heut’, Erlöser, niedersinken,
Durchdrungen von des Dankes Allgewalt:
Soll ich auch einst den Kelch der Leiden trinken,
O! so umschwebet mich deine Lichtgestalt!
Und freundlich wird mir deine Liebe winken,
Bis meine Seele freu hinüberwallt
Zu dir, o Jesus, der mit Huld sie segnet,
Und liebevoll ihr jenseits dann begegnet!

(Luise Egloff 1802-1835, Schweizer Dichterin)




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Neujahr


Ach, wie bald ist nicht ein Jahr verschwunden;
In dem Schosse der Vergangenheit
Ruht es nun, und keine seiner Stunden
Kehret wieder in dem Lauf der Zeit.
Wenn der Freuden Engel uns beglückte,
Wenn ein Leiden oft die Seele drückte,
Alles schwindet mit des Jahres Lauf,
Und im Kummer steigt die Hoffnung auf.

Freudig haben wir es angefangen,
Mancher endet mit gesunknem Mut;
Selbst die Blumen, die in Purpur prangen,
Tötet leicht des Sturmes wilde Wut.
So zertrümmern oft die Schicksals-Schläge
Frohe Rosen auf dem Lebenswege,
Die, doch selten nur, dem Pilger blüh'n,
Wenn des Geistes Freuden ihm entflieh'n.

Nicht im Glanz und öden Weltgewühle,
Nicht im Tempel eitler Lebenslust;
Nicht gekleidet in des Ruhmes Hülle,
Wohnt das Glück in einer stillen Brust.
Wo Zufriedenheit den Schleier senket,
Und das Herz zu jeder Tugend lenket,
Da nur blüht, auch im Zypressenhain,
Jene milde Blume himmlisch-rein.

Schnell entfliehen zwar die Lebensjahre,
Die Saturn vor unserm Blick verschlingt;
Doch versenkt man die Totenbare
Nur den Staub, aus dem der Geist sich schwingt.
Niemals der Verwesung preisgegeben,
Wird er freudig einst hinüberschweben,
Wo Getrennte von des Todes Hand
Fester knüpfen das zerrissne Band.

Darum soll die kurze Frist hienieden
Jedem Menschen teuer' und heilig sein;
Sie geleitet ihn zum höchsten Frieden.
Teile er weislich seine Tage ein;
O! dann darf er nicht mit bangem Grauen
Einst dem Tod ins freie Antlitz schauen.
Ihn umstrahlt ein neues Morgenlicht,
Auch dem tiefsten Schmerz erliegt er nicht.

Wer mit Gott getrost das Jahr vollendet,
Fängt es auch mit seinem Segen an;
Wenn von ihm der Glücks-Stern sich wendet,
Schwebt ein Schutzgeist doch auf seiner Bahn.
Dieser lehrt den bittern Kelch ihn trinken,
Wenn der Prüfung schwere Stunden winken;
Und mit immer gleicher Seelenruh
Geht der Christ der fernen Heimat zu.

Alles, was auf Erde mit Entzücken
Oft sein reines, klares Herz erfüllt,
Dankt er Gott, vor dessen Vaterblicken
Wie in Furcht der edle Geist sich hüllt.
Warum sollte zagend er, mit Neben,
Sich empor zu seinem Schöpfer heben?
Er erblickt im Tempel der Natur
Und in Allem Gott als Vater nur.

O Gebliebte! lasst und mit Vertrauen
Immer nur auf Gottes Güte seh'n!
Lasst uns selbst durch blumenleere Auen
Froh und heiter, wie auf Rosen, geh'n!
Jeder Tag, sei er auch noch so flüchtig,
Bleibe uns doch immer gross und wichtig!
O! dann schauen wir mit frohem Blick
Auf die schnell verlorne Zeit zurück.

(Luise Egloff 1802-1835, Schweizer Dichterin)




Das Glück der Freundschaft

Freundschaft darf empfindungsvollen Seelen
Niemals in des Lebens Stürmen fehlen;
Nur wenn uns ihr holder Engel lacht,
Schwindet jeder sorgenvolle Kummer;
Sie nur reisst uns aus des Geistes Schlummer,
Der zur Tugend neugestärkt erwacht.

Ganz vom Weltgetümmel losgebunden
Sind der Freundschaft wonnevolle Stunden:
Still und heiter strahlet unser Glück.
Wer an ihrer Hand durchs Leben wandelt,
Den entflammt sie, dass er edel handelt;
Ruhig blickt er in sein Herz zurück.

Doch wem blühen ihre süssen Freuden?
Wen erquickt sie auch im grössten Leiden?
Den, der ihren Wert niemals verkennt.
Nicht den falschen, lasterhaften Seelen,
Die aus Eigennutz sich Freunde wählen,
Blüht die Blume, die man Freundschaft nennt.

Nur wenn Gleichgesinnte sich verbinden,
Die der Tugend hohen Wer empfinden,
Lächelt mild die holde Trösterin.
Sie vereinigt durch die Band das Wahre,
Denn an ihrem heiligen Altare
Fordert sie den unbefleckten Sinn.

Darin liegt das höchste Glück des Lebens.
Ach so viele suchen es vergebens!
Ohne Tugend blüht auch Freundschaft nicht.
O mit welcher unbegrenzten Milde
Führt sie uns in göttliche Gefilde!
Selbst des Kummers Nacht erhellt ihr Licht!

(Luise Egloff 1802-1835, Schweizer Dichterin)



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