Blumen pflücke nicht, Blumen lasse blühen.
Gestern ist vorbei und Morgen ist nicht heut.
Nutz' die Stunden und lass auch welche fliehen,
was ist schon Zeit, ein Gedicht lang, Zeit.

(© Beat Jan)

Naturlyrik

Gedichte Natur - moderne und klassische bekannte

Ob die Beobachtung von Landschaft, Wetter, Tier- und Pflanzenwelt, Erlebnisse in der Natur oder das begleitende Gefühl, wenn man sich mit der Natur verbunden fühlt, alles kann man poetisch und lyrisch ausdrücken. Und das ist das Schöne. Viele Eindrücke werden damit verarbeitet, geteilt und weitergegeben. Hier erhalten Sie moderne und klassische bekannte Naturlyrik. Gedichte aus verschiedenen Epochen mit Bezug zur Natur. Den Höhepunkt in der Naturlyrik wird in der Dichtung des Sturm und Drang und der Romantik erreicht.

Abendstimmung

An manchen Orten durchdringen
Drähte von Strommasten den roten
mit Wolken behangenen Himmel
und streifen die Tannenspitzen,
wie wenn sie Altmodisches
aufhalten wollten und den sich
sukzessiv verlierenden Tag.

Spuren der Zivilisation im
entferntesten Winkel der Welt.
Alles glimmt noch einmal auf,
wenn die Sonne liebevoll
über die Erde streift und
in aller Leben zärtlich
ihre Schatten flüstert.

(© Monika Minder)

Naturstimmung Sonnenuntergang - Bild mit Gedicht zum Ausdrucken oder Versenden
Naturfoto mit Sonnenuntergang, Wald und Gedicht Abendstimmung von Monika Minder

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Die Beete blumengetupft

Die Beete blumengetupft,
die Gräser lang, die Bäume grün.
Der Wind weht laut und spricht,
es will noch lange blühn.

Bis die Zeit sich wendet,
die Sprache der Blumen bleibt.
Man möchte weinen,
und doch, es schneit.

(© Beat Jan)

Sommertag

Ein Wind zieht auf
durchbricht die Hitze,
es rauscht, ist wieder still,
die Vöglein zwitschern.

Die Johannisbeeren röten sich,
leuchten zwischen grünen Blättern.
Hohe Margeriten wiegen sich
und Schmetterlinge flattern.

Schön, draussen zu sein
unter Segeln, die sich heben,
mit der Natur vertraut zu sein
und zu atmen und zu leben.

So wenig braucht es doch
und gar nicht mehr,
als wo mit der Natur
ich gern gemeinsam geh.

(© Hanna Schnyders)

Blätter leuchten

Blätter leuchten am Baum,
in der Luft, am Boden.
Farbtupfer der Saison

(© Jo. M. Wysser)

Herbst

Ein Igel, schau, er tänzelt durch bunte Blätter.
Und dort, eine Wespe surrt in einer Birne.
Der Herbst ist ein grosser Retter,
bringt er doch Nahrung für Mensch und Tier.
Und sieh das Licht wie's blumenschön
sich durch die gelben Bäume föhnt.

(© Milena A.L.)

Genügsam

Ruhig im Schatten vor dem Haus,
genügsam mit mir und der Natur.
Löwenzahn und lange Gräser wiegen
sich zu einem Blumenstrauss.

Ich verstehe die Stille des Himmels,
der Menschen Verhalten nicht mehr.
Noch freut sich mein Herz wie die Blumen,
die sich den Schmetterlingen versprechen
und die Tiefe der Liebe sehen.

(© Monika Minder)

Schönes Naturbild mit Blumenwiese - zum Ausdrucken oder Versenden
Naturfoto Blumenwiese mit Löwenzahn, langen Gräsern und einem Schmetterling

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Klatschmohn

Zwischen langen Gräsern weidet
der rote Klatschmohn leise.
Leuchtet über Feld und Heide
in die Sommers Abschiedsreise.

(© Anna-Lena Mil)

Eine seltene Lerche singt

Im Sommer eine Lerche singt,
das ist selten, dass sie singt.
Warum ist das so selten,
fragt das kleine Kind.
Weil sie ausgestorben sind.
Warum fragt das kleine Kind.
Weil die Nahrung weniger wird.
Warum fragt das kleine Kind.
Weil die Blumen sterben,
die Wiesen und die Bäume.
Weil zu viele Häuser gebaut werden
und alle nur vom Geld träumen.

(© H.S. Sam)

Erstes Gewitter

Am Himmel, schwarze Wolken,
es donnert, es donnert durchaus.
Ich glaube, wir sollten, wir sollten
schnell zurück ins Haus.

Erste Lichter zucken durch die Luft,
es blitzt, es blitzt durchaus.
Es zieht ein Duft, ein Regenduft
durch unser Gartenhaus.

Der Juni hat sich etwas vorgenommen,
es regnet, es regnet durchaus.
Doch nach dem Regen kommen,
kommen wieder Sonnenstrahlen heraus.

(© Hanna Schnyders)

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Naturfoto mit roten Abendhimmel und Wolken sowie Text dem Himmel zuhören von Monika Minder

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Bild-Text

Dem Himmel
zuhören,
still sein,
damit
Gegenwärtigkeit
die Zeit
verdrängt.

(© Monika Minder)

Leichte Süsse

Leichte Süsse wippt sich in die Fäden.
Die Sonne rollt die Knie ein, wie wenn
sie sich ins Bett verziehen möchte.
Derweil wirbeln Blätter wie auf Rädern
durch Strassen und zeigen, wo's lang,
und was bald zu Ende geht.

(© M.B. Hermann)

Jetzt, wo der rote Mohn sich über die Gräser erhebt

Jetzt, wo der rote Mohn sich über die Gräser erhebt
und die Tage lang sind wie drei Nächte,
die Blätter im Wind zittern und Gewitter grollen;
jetzt, die alten Lieder spielen und sich bis
die Wolken still liegen und die Nacht den Boden
befeuchtet von einem hingehauchten Moment,
den man Glück nennen könnte, ergreifen lassen.

(© Monika Minder)

Herbstserenade

An den Bäumen die letzten Blätter rauschen.
Einige wirbeln schon, andere lauschen.
In die Nase steigt fauliger Apfel- und Birnenduft.
Wespen surren aufgeregt in der Luft
und auf meinem Zwetschgenkuchen;
ich könnte fluchen.

(© Hanna Schnyders)

Der Frühling guckt durchs Fenster

Der Frühling guckt durchs Fenster
mit seinem hellen Licht.
Aus seinen grossen Augen
die letzte Sorge wich.

Mit seiner milden Zärtlichkeit
zieht Wärme durchs Gemüt.
Und aus der langen Einsamkeit
das Herz sich wieder müht.

(© M.B. Hermann)

Anfang

Die Sonne steht mit den Hühnern auf,
Tautropfen silbern auf der jungen Landschaft.
Noch zeichnet sich eine hinhaltende Stille in die Blätter
und verwunschene Träume sprechen von Ewigkeit.
Die Schönheit des Sukzessiven -
Das muss der Anfang sein.

(© Monika Minder)

Ein weicher Teppich

Ein weicher Teppich hat das Land verhüllt,
weisse Flocken schäumen die Bäume ein.
Sogar der Bach ist mit Schnee gefüllt,
und bald weht die Nacht kalt herein.

Kein Vogel mag mehr zwitschern
in dieser kalten weissen Welt.
Der Bach jetzt durch die Lichter glitzert
und uns seine Geschichten erzählt.

(© Marie A.H.)

Was grinst er so, der grosse Helle?

Was grinst er so, der grosse Gelbe
und lacht die dunkle Stille tot?
Es ist mit ihm doch stets dasselbe,
man träumt sich weit weit fort
und schon kommt dieser Idiot!

Und noch eine erwacht aus der Stille
und singt uns aus den Träumen.
Die Nachtigall ruft mit seinem Willen
durch Büsche und durch Bäume.

Wieder sind wir im selben Boot,
und der grosse Gelbe liegt am Morgen tot.
Wahrscheinlich hat er nur gelacht,
weil er uns um den Schlaf gebracht.

(© M.B. Hermann)

Die Zeit

Irgendwo gackert ein Huhn,
Blumen summen den Honig zu Tode.
Die Zeit dreht der Geschichte den Hals,
wie den Wind um die Ohren.
Nur die Schmetterlinge lispeln
fröhlich durch Raum und Zeit.
Fern von Traditionen braucht es
keine Gründe für das Sein.

(© Monika Minder)

Herbstserenade

Die Liebe weht golden durch Äste,
durch Wiesengras und Laub.
Süss geben sich Trauben und Feste,
und langsam wird alles zu Staub.

(© Res Lio)

Herbstszenarien

Das letzte Mal, ein Rasenmäher heult,
bald wird das Gras nicht mehr wachsen.
Die grossen und kleinen Blätter freuts,
sie möchten den Boden bedecken.

Schon beugen sich die Bäume im Wind,
der Wald rauscht laut und unheimlich.
Die Rehe fliehen geschwind,
die Jagd beginnt.

(© Beat Jan)

Waldlied

Ich lief so durch den Wald
und pfiff ein Liedchen vor mich hin.
Da zwitscherte ein Vöglein bald
und stimmte in das Liedchen ein.
Eine Weile sangen wir zu zweit,
bald war ich lauter, bald der Vogel.
Es wurde spät, ich musste weiter:
Gute Nacht mein Freund,
wir machen morgen weiter.

(© H.S. Sam)

Es raschelt in den Büschen

Es raschelt in den Büschen,
der Wind hat viel zu tun.
Die Bäume tragen Äpfel.
Bald kommt alles zur Ruh.

(© Marie A.H.)

Stiller Traum

Wie Gräser sich wiegen
durch nächtlich dunklen Raum.
So weise verschwiegen,
wie in einem stillen Traum.

(© M. B. Hermann)

Es wäre leicht

Es wäre leicht, ich könnte fliegen
wie ein kleiner Schmetterling
und auf schönen Blumen wiegen.
Ja, fliegen, und es würde leicht
wie ein kleiner Wind im Frühling
und mit den Bäumen baumeln, vielleicht.

(© M.B. Hermann)

Hoffnung

Küssend
sind Bienen
und Blumen.

Leise
das Warten
bis zur Ernte.

Dazwischen
Gewitter
und Regenbogen.

Manchmal
ein Funken ...

(© Monika Minder)

Löwenzahn-Mann

Jetzt streckt er wieder seinen gelben Schopf
in den Himmel, dieser lustige gelbe Mann,
und steckt einem mit seinem zottligen Kopf
total zum Lachen an.

Und dann durchwühlt auch noch der Wind seine Frisur,
nach links und nach rechts, nach oben und nach unten.
Doch der Löwenzahn mag diese wilde Natur,
er macht auch im Sturmgebraus eine zottlig gute Figur.

(© Hanna Schnyders)

Wenn der Tag erwacht

Tritt ein in diesen Tag. Noch glänzt Tau.
Im Garten nicken gelb die Sonnenblumen,
aber auch das Rot des Mohns hat sein Volumen.
Durch die Morgenstille singt ein Mau
schwanzerhoben ein Begrüssungsritual.
Bäume beschatten das grelle Licht.
Die Leere ist nur das Eine.
Zu viele Dinge haben kein Gesicht
und Liebe will nur Weile.

(© M.B. Hermann)

Bekannte klassische Naturlyrik, Naturgedichte (gemeinfrei)

An die Natur

Erscheine mir im Taggewand,
Im Nachtgewand, Natur!
Reich' deinem Sohn die Mutterhand,
Ihm einen Finger nur!

Dich zu erkennen, – welch' ein Glück!
Zu fühlen, welche Lust!
Natur! Entwölke meinen Blick,
Enthülle deine Brust!

Ein Strahl von dir umleuchte mich,
Ich sitze oder geh'!
Still steh' mein Odem, wenn ich dich
Im Menschenantlitz seh'!

(Johann Caspar Lavater, 1741-1801, schweizer Pfarrer, Philosoph und Schriftsteller)

Die Natur und der Mensch

Es senkt das ganze Blumenheer
Im Herbst sich in die Erde nieder,
Doch bei des Lenzes Wiederkehr
Erscheint viel herrlicher es wieder,
Es senket sich die Sonn' in's Meer,
Stets wecken sie der Lerche Lieder,
Doch keiner, sinken wir in's Grab,
Nimmt uns des Todes Ketten ab.

(Elisabeth Kulman, 1808-1825, deutsch-russische Dichterin)

Die Traubenhyazinthe

Angenehmes Frühlingskindchen,
Kleines Traubenhyazinthchen,
Deiner Farb und Bildung Zier
Zeiget mit Verwundrung mir
Von der bildenden Natur
Eine neue Schönheitsspur.
An des Stengels blauer Spitzen
Sieht man, wenn man billig sieht,
Deiner sonderbaren Blüt
Kleine blaue Kugeln sitzen,
Dran, so lange sich ihr Blatt
Noch nicht aufgeschlossen hat,
Wie ein Purpurstern sie schmücket,
Man nicht sonder Lust erblicket.
Aber wie von ungefähr
Meine Blicke hin und her
Auf die offnen Blumen liefen,
Konnt ich in den blauen Tiefen
Wie aus himmelblauen Höhen
Silberweiße Sternchen sehen,
Die in einer blauen Nacht,
So sie rings bedeckt, im Dunkeln
Mit dadurch erhöhter Pracht
Noch um desto heller funkeln.
Ihr so zierliches Gepränge,
Ihre Nettigkeit und Menge,
Die die blauen Tiefen füllt,
Schiene mir des Himmels Bild,
Welches meine Seele rührte
Und durch dieser Sternen Schein,
Die so zierlich, rein und klein,
Mich zum Herrn der Sterne führte,
Dessen unumschränkte Macht
Aller Himmel tiefe Meere,
Aller Welt- und Sonnen Heere
Durch ein Wort hervorgebracht;
Dem es ja so leicht, die Pracht
In den himmlischen Gefilden
Als die Sternchen hier zu bilden.
Durch dein sternenförmig Wesen
Gibst du mir, beliebte Blume,
Ein' Erinnerung zu lesen,
Daß wir seiner nicht vergessen,
Sondern in den schönen Werken
Seine Gegenwart bemerken,
Seine weise Macht ermessen
Und sie wie in jenen Höhen
So auf Erden auch zu sehen.

(Barthold Heinrich Brockes, 1680-1747, deutscher Dichter)

Eilt die Sonne

Eilt die Sonne nieder zu dem Abend,
Löscht das kühle Blau in Purpurgluten,
Dämmrungsruhe trinken alle Gipfel.

Jauchzt die Flut hernieder silberschäumend,
Wallt gelassen nach verbrauster Jugend,
Wiegt der Sterne Bild im Wogenspiegel.

Hängt der Adler, ruhend hoch in Lüften,
Unbeweglich wie in tiefem Schlummer;
Regt kein Zweig sich, schweigen alle Winde.

Lächelnd mühelos in Götterrhythmen,
Wie den Nebel Himmelsglanz durchschreitet,
Schreitet Helios schwebend über Fluren.

Feucht vom Zaubertau der heil'gen Lippen,
Strömt sein Lied den Geist von allen Geistern,
Strömt die Kraft von allen Kräften nieder

In der Zeiten Schicksalsmelodien,
Die harmonisch ineinander spielen
Wie in Blumen hell und dunkle Farben.

Und verjüngter Weisheit frische Gipfel,
Hebt er aus dem Chaos alter Lügen
Aufwärts zu dem Geist der Ideale.

Wiegt dann sanft die Blumen an dem Ufer,
Die sein Lied von süßem Schlummer weckte,
Wieder durch ein süßes Lied in Schlummer.

Hätt ich nicht gesehen und gestaunet,
Hätt ich nicht dem Göttlichen gelauschet,
Und ich säh den heil'gen Glanz der Blumen,

Säh des frühen Morgens Lebensfülle,
Die Natur wie neugeboren atmet,
Wüßt ich doch, es ist kein Traum gewesen.

(Bettina von Arnim, 1785-1859, deutsche Schriftstellerin)

Schöpfungslied

Sprach der Herr am sechsten Tage:
»Hab am Ende nun vollbracht
Diese große, schöne Schöpfung,
Und hab alles gut gemacht.

Wie die Sonne rosengoldig
In dem Meere widerstrahlt!
Wie die Bäume grün und glänzend!
Ist nicht alles wie gemalt?

Sind nicht weiß wie Alabaster
Dort die Lämmchen auf der Flur?
Ist sie nicht so schön vollendet
Und natürlich, die Natur?

Erd' und Himmel sind erfüllet
Ganz von meiner Herrlichkeit,
Und der Mensch, er wird mich loben
Bis in alle Ewigkeit!«

(Heinrich Heine, 1797-1856, deutscher Dichter und Romancier)

Die Camille unter den Blumen

Bleiche Camille, Du blühst verachtet im einsamen Felde,
Denn Dein simples Gewand reizet die Lüsternen nicht.
Farblos stehst Du verlassen im säuselnden Hauche des Windes –
Nimmer wählt' Dich zum Kranz jugendlich fröhliche Lust.

Lass denn den schwärmenden Tross die bunteren Blumen erjagen,
Kränke, Bescheidne! Dich nicht, dass Dich die Freude verschmäht.
Blühe einsam nur fort am grünen Rande des Weges,
Bricht auch die Liebe Dich nicht – findet das Leiden Dich doch.

Heilsam wirkende Kräfte hat die Natur Dir in Busen
Mütterlich sorgsam gelegt, und sie verläugnen sich nicht.
Lindernd stillest Du Schmerzen, wenn andre das Auge ergötzen,
Und im einfachen Schmuck birgt sich Dein hohes Verdienst.

(Charlotte von Ahlefeld, 1781-1849, deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin)

Trost

Im hohen Himmelsraum dort zieht der Sterne Reigen,
der Bäume Wipfel neigen sich leise wie im Traum.
Die Blumen auf der Flur, sie sind so sonnenmüde,
ein heiliger Wonnefriede durchzittert die Natur.
Wenn manch ein Sturm – getost, den Blumen feindlich wilde,
nun lächelt Nachtluft milde und lispelt ihnen Trost.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer Erzähler und Lyriker)

Die Lerche

Hörst du der Nacht gespornten Wächter nicht?
Sein Schrei verzittert mit dem Dämmerlicht,
Und schlummertrunken hebt aus Purpurdecken
Ihr Haupt die Sonne; in das Ätherbecken
Taucht sie die Stirn; man sieht es nicht genau,
Ob Licht sie zünde, oder trink' im Blau.
Glührote Pfeile zucken auf und nieder
Und wecken Taues Blitze, wenn im Flug
Sie streifen durch der Heide braunen Zug.
Da schüttelt auch die Lerche ihr Gefieder,
Des Tages Herold seine Liverei;
Ihr Köpfchen streckt sie aus dem Ginster scheu,
Blinzt nun mit diesem, nun mit jenem Aug';
Dann leise schwankt, es spaltet sich der Strauch,
Und wirbelnd des Mandates erste Note
Schießt in das feuchte Blau des Tages Bote.
 
»Auf! auf! die junge Fürstin ist erwacht!
Schlaftrunkne Kämm'rer, habt des Amtes acht;
Du mit dem Saphirbecken Genziane,
Zwergweide du mit deiner Seidenfahne,
Das Amt, das Amt, ihr Blumen allzumal,
Die Fürstin wacht, bald tritt sie in den Saal!«
 
Da regen tausend Wimpern sich zugleich,
Maßliebchen hält das klare Auge offen,
Die Wasserlilie sieht ein wenig bleich,
Erschrocken, daß im Bade sie betroffen;
Wie steht der Zitterhalm verschämt und zage!
Die kleine Weide pudert sich geschwind
Und reicht dem West ihr Seidentüchlein lind,
Daß zu der Hoheit Händen er es trage.
Ehrfürchtig beut den tauigen Pokal
Das Genzian, und nieder langt der Strahl;
Prinz von Geblüte hat die erste Stätte
Er, immer dienend an der Fürstin Bette.
 
Der Purpur lischt gemach im Rosenlicht,
Am Horizont ein zuckend Leuchten bricht
Des Vorhangs Falten, und aufs neue singt
Die Lerche, daß es durch den Äther klingt:
 
»Die Fürstin kömmt, die Fürstin steht am Tor!
Frischauf ihr Musikanten in den Hallen,
Laßt euer zartes Saitenspiel erschallen,
Und, florbeflügelt Volk, heb an den Chor,
Die Fürstin kommt, die Fürstin steht am Tor!«
 
Da krimmelt, wimmelt es im Heidgezweige,
Die Grille dreht geschwind das Beinchen um,
Streicht an des Taues Kolophonium
Und spielt so schäferlich die Liebesgeige.
Ein tüchtiger Hornist, der Käfer, schnurrt,
Die Mücke schleift behend die Silberschwingen,
Daß heller der Triangel möge klingen;
Diskant und auch Tenor die Fliege surrt;
Und, immer mehrend ihren werten Gurt,
Die reiche Katze um des Leibes Mitten,
Ist als Bassist die Biene eingeschritten:
Schwerfällig hockend in der Blüte rummeln
Das Kontraviolon die trägen Hummeln. -
 
So tausendarmig ward noch nie gebaut
Des Münsters Halle, wie im Heidekraut
Gewölbe an Gewölben sich erschließen,
Gleich Labyrinthen in einander schießen;
So tausendstimmig stieg noch nie ein Chor,
Wie's musiziert aus grünem Heid hervor.
 
Jetzt sitzt die Königin auf ihrem Throne,
Die Silberwolke Teppich ihrem Fuß,
Am Haupte flammt und quillt die Strahlenkrone,
Und lauter, lauter schallt des Herolds Gruß:
 
»Bergleute auf! Heraus aus eurem Schacht
Bringt eure Schätze, und du Fabrikant,
Breit' vor der Fürstin des Gewandes Pracht,
Kaufherrn, enthüllt den Saphir, den Demant!«
 
Schau, wie es wimmelt aus der Erde Schoß,
Wie sich die schwarzen Knappen drängen, streifen,
Und mühsam stemmend aus den Stollen schleifen
Gewalt'ge Stufen, wie der Träger groß;
Ameisenvolk, du machst es dir zu schwer!
Dein roh Gestein lockt keiner Fürstin Gnaden.
Doch sieh die Spinne, rutschend hin und her,
Schon zieht sie des Gewebes letzten Faden,
Wie Perlen klar, ein duftig Elfenkleid;
Viel edle Funken sind darin entglommen;
Da kommt der Wind und häkelt es vom Heid,
Es steigt, es flattert, und es ist verschwommen. -
 
Die Wolke dehnte sich, scharf strich der Hauch,
Die Lerche schwieg, und sank zum Ginsterstrauch.

(Annette von Droste-Hülshoff, 1797-1848, deutsche Schriftstellerin, Dichterin)

 

Die müssen beide füreinander sein

Wo ich zwei Bäume sah, mit ihren Zweigen
So hold verschränkt und still vertraut und nah',
Wo ich zwei Wölkchen mit des Tages Neigen
Am Abendhimmel rot erglühen sah,
Wo ich zwei Glocken hört' harmonisch klingen,
Zwei Vöglein locken hört' im stillen Hain;
Da mußt' ich stets mit Meister Goethe singen:
Die müssen beide für einander sein.

Und wir, wir wandelten zum Lindenpaare -
Zwei Wölkchen glühten über'm Laubengang,
Zwei Glocken summten durch die Luft, die klare,
Zwei Finken schmetterten im Wechselsang.
Du warest still zur Rasenbank gesunken
Und ich umschlang so kühn den Nacken Dein -
Wie zornig warst Du! Doch ich jauchzte trunken:
Wir müssen beide für einander sein!

(Martin Anton Niendorf, 1826-1878, deutscher Schrftsteller)

Das Haus in der Heide

Die strohgedeckte Hütte,
Recht wie im Nest der Vogel duckt,
Aus dunkler Föhren Mitte.
 
Am Fensterloche streckt das Haupt
Die weißgestirnte Sterke,
Bläst in den Abendduft und schnaubt
Und stößt ans Holzgewerke.
 
Seitab ein Gärtchen, dornumhegt,
Mit reinlichem Gelände,
Wo matt ihr Haupt die Glocke trägt,
Aufrecht die Sonnenwende.
 
Und drinnen kniet ein stilles Kind,
Das scheint den Grund zu jäten,
Nun pflückt sie eine Lilie lind
Und wandelt längs den Beeten.
 
Am Horizonte Hirten, die
Im Heidekraut sich strecken,
Und mit des Aves Melodie
Träumende Lüfte wecken.
 
Und von der Tenne ab und an
Schallt es wie Hammerschläge,
Der Hobel rauscht, es fällt der Span,
Und langsam knarrt die Säge.
 
Da hebt der Abendstern gemach
Sich aus den Föhrenzweigen,
Und grade ob der Hütte Dach
Scheint er sich mild zu neigen.
 
Es ist ein Bild, wie still und heiß
Es alte Meister hegten,
Kunstvolle Mönche, und mit Fleiß
Es auf den Goldgrund legten.
 
Der Zimmermann - die Hirten gleich
Mit ihrem frommen Liede -
Die Jungfrau mit dem Lilienzweig -
Und rings der Gottesfriede. -
 
Des Sternes wunderlich Geleucht
Aus zarten Wolkenfloren -
Ist etwa hier im Stall vielleicht
Christkindlein heut geboren?

(Annette von Droste-Hülshoff, 1797-1848, deutsche Schriftstellerin, Dichterin)

Zu viel

Der Himmel glänzt vom reinsten Frühlingslichte,
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.

Wenn ich den Blick nun zu den Bergen richte,
Die duftig meiner Liebe Tal umhegen -
O Herz, was hilft dein Wiegen und dein Wägen,
Daß all der Wonnestreit in dir sich schlichte!

Du, Liebe, hilf den süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du, o Frühling, hilf die Liebe beugen!

Lisch aus, o Tag! Laß mich in Nacht genesen!
Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.

(Eduard Mörike, 1804-1875, deutscher Erzähler, Lyriker und Dichter)

Herbstwind

Durch fahlbelaubte Bäume
mit müdem Ton der Herbstwind singt;
die sehnsuchtsbange Weise klingt
Des Nachts in meine Träume.
 
Ach, alle Blumendüfte,
das Farbenspiel der Rosenzeit,
die ganze Sonnenseligkeit -
Zerstoben in die Lüfte!
 
Verstummt ist Scherz und Kosen. -
Die mir geblüht in tiefster Brust,
das alte Leid, die alte Lust -
sie starben mit den Rosen!
 
Nun will kein Stern mehr scheinen.
Der Himmel trüb und wolkenschwer,
das Haupt so müd' das Auge leer ...
Ich hab verlernt das Weinen!
 
Und wenn die Sehnsuchtslieder
der Nachtwind auf den Fluren singt, -
in meinem Herzen hallt und klingt
sein traumhaft Rauschen wider.

(Clara Müller-Jahnke, 1861-1905, deutsche Dichterin, Journalistin)

Die Natur und der Mensch

Es senkt das ganze Blumenheer
Im Herbst sich in die Erde nieder,
Doch bei des Lenzes Wiederkehr
Erscheint viel herrlicher es wieder,
Es senket sich die Sonn' in's Meer,
Stets wecken sie der Lerche Lieder;
Doch keiner, sinken wir in's Grab,
Nimmt uns des Todes Ketten ab.

(Elisabeth Kulmann, 1808-1825, deutsch-russische Dichterin)

Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

(Joseph von Eichendorff, 1788-1857, deutscher Lyriker und Schriftsteller)

Juni Nachmittag

Der stille Tag spann gold'ne linde Fäden ...
Ein Seidennetz, das unsre Frühlingserde
Dem Himmel nah' zog. Und vom Himmel strich
Ein ferner, frommer, ahnungsbanger Hauch
Darüber hin. Und immer musst' ich denken
An jenes Märchen denken ... thöricht ... schön ...
... Von Palmengärten, Engeln, süssem Frieden
In Gottes wunderliebem Himmelreich.
 
Ringsum lag's wartend still ... die Halme wehten
Und sinnend goss die Sonne ihren Blick
Auf leuchtend grüne, leisbewegte Wälder,
Und auf verträumte weite Fluren hin,
Und alles lag in goldverklärter Schöne,
In Erdenschöne.
Von der Erde wob
Ein grünes Athmen schwellend herben Lebens
Darüber hin.
Es war, es war als ob
Die lebensheisse, ewig irre Erde
Aufseufzend innehielt' in tollem Lauf ...
Sich an des Himmels weite Brust zu schmiegen,
Das müde Herz in blauen Traum zu wiegen ...

(Lisa Baumfeld, 1877-1897, österreichische Schriftstellerin)

Sonnenuntergang

Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir
Von aller deiner Wonne; denn eben ist's,
Dass ich gelauscht, wie, goldner Töne
Voll, der entzückende Sonnenjüngling

Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt';
Es tönten rings die Wälder und Hügel nach.
Doch fern ist er zu frommen Völkern,
Die ihn noch ehren, hinweggegangen.

(Friedrich Hölderlin, 1770-1843, deutscher Dichter, Lyriker)

Sommermorgen

Auf Bergeshöhen schneebedeckt,
Auf grünen Hügeln weitgestreckt
Erglänzt die Morgensonne;
Die tauerfrischten Zweige hebt
Der junge Buchenwald und bebt
Und bebt in Daseinswonne.
 
Es stürzt in ungestümer Lust
Herab aus dunkler Felsenbrust
Der Gießbach mit Getose,
Und blühend Leben weckt sein Hauch
Im stolzen Baum, im niedren Strauch,
In jedem zarten Moose.
 
Und drüben wo die Wiese liegt,
Im Blütenschmuck, da schwirrt und fliegt
Der Mücken Schwarm und Immen.
Wie sich's im hohen Grase regt
Und froh geschäftig sich bewegt,
Und summt mit feinen Stimmen.
 
Es steigt die junge Lerche frei
Empor gleich einem Jubelschrei
Im Wirbel ihrer Lieder.
Im nahen Holz der Kuckuck ruft,
Die Amsel segelt durch die Luft
Auf goldenem Gefieder.
 
O Welt voll Glanz und Sonnenschein,
O rastlos Werden, holdes Sein,
O höchsten Reichtums Fülle!
Und dennoch, ach - vergänglich nur
Und todgeweiht, und die Natur
Ist Schmerz in Schönheitshülle.

(Marie von Ebner-Eschenbach, 1830-1916, österreichische Schriftstellerin, Dichterin)

Es liegt ein Traum auf der Haide

Es liegt ein Traum auf der Haide,
Es weht im Walde ein Duft,
Ein Lied schwebt über dem Wasser,
Ein Klingen ruht in der Luft.

Ich möchte vor Wonne mich schwingen
Empor in ein Meer von Licht,
Ich möchte weinen und singen,
Bis mir das Herz zerbricht.

Mein Herz ist wie eine Lerche
Und jubelt im Sonnenschein:
Mein Stern, mein Traum, meine Rose,
Du liebst mich, - bist mein, bist mein!

(Emil Prinz von Schönaich-Carolath, 1852-1908, deutscher Lyriker, Gutsherr, Novellist)

Vorüber

Nun ist es vorüber,
Nun ist es geschehn,
Die Donner verrollen,
Die Wolken verwehn.

Es leuchtet, es blitzet
Die Wiese, der Wald.
Was eben noch dunkel,
Wie hellt's sich so bald!

Nun ist es geschehen,
Nun ist es getan!
Es war ja ein Traum nur,
Es war nur ein Wahn!

Vom Zweige es träufet,
Die Wimper ab auch;
wie funkeln die Tropfen
An Blättlein und Aug'!

Wie leuchtet die Sonne
Mit glänzendem Schein,
Über Berg, über Tal,
Ins Herz mir hinein!

(Wilhelm Raabe, 1831-1910, deutscher Erzähler, Dichter)

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